Interview mit CEO von Bitcoin ATM-Firma: “Kleinere Anbieter verschwinden aus dem Markt”

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Wir haben ein Gespräch mit Herrn Dr. Stefan Grill, dem Geschäftsführer des Österreichischen Bitcoin ATM-Betreibers Kurant, geführt. Darin verriet uns der Unternehmer unter anderem, warum das Geschäft mit den Krypto-Automaten auch im Bärenmarkt noch lukrativ ist.

Coin Kurier: Vor kurzer Zeit berichteten wir darüber, dass Sie mehrere Bitcoin ATMs in Filialen der Österreichischen Post platziert haben. Wie läuft die Kooperation an?

Dr. Stefan Grill: Sie sprechen da ein Thema an, dass großflächig von der Presse behandelt wurde. Die Kooperation läuft bislang sehr gut. Insgesamt sind es drei ATMs, jeweils einer in Salzburg, Linz und Bregenz. Die Kooperation verstehen wir außerdem auch als eine Brücke zum deutschen Markt, wo wir aufgrund der unklaren Rechtslage noch keinen Automaten aufgestellt haben.

Coin Kurier: Wie lange sind Sie schon im Rennen?

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Dr. Stefan Grill: Die Kurant hat grundsätzlich eine sehr lange Historie. Wir sind aus einem Geschäftsfeld der Coinfinity GmbH in Graz entstanden, die bereits 2014 gegründet wurde. Ein Geschäftsbereich war damals auch der Betrieb von ATMs. Dieser wurde dann, um ihn weiter ausbauen und besser mit neuem Kapital versorgen zu können, in die Kurant GmbH ausgelagert. Coinfinity ist aber weiterhin unser Hauptsaktionär.

Coin Kurier: In der Vergangenheit haben wir darüber berichtet, dass unter anderem die ebenfalls Österreichische Freefall ATM GmbH in Deutschland einen ATM aufgestellt hat. Warum haben Sie noch nicht nachgezogen?

Dr. Stefan Grill: Mein Verständnis ist, dass die in Deutschland aufgestellten Bitcoin ATMs von der BaFin sehr kritisch beäugt werden. Wir warten auf eine Situation, die rechtlich sauber ist.

Coin Kurier: Wie groß ist die Konkurrenz im DACH-Bereich?

Dr. Stefan Grill: Es ist gerade eine interessante Phase. Wir erleben in Österreich, dass im Bezug auf Bitcoin ATM-Aufsteller gerade eine Konsolidierung stattfindet. Kleinere Anbieter verschwinden aus dem Markt, werden teilweise auch übernommen. Man sieht, dass die starken, finanzkräftigsten Aufsteller sich auf lange Sicht hin durchsetzen werden. In Deutschland und der Schweiz sind wir bisher noch nicht aktiv.

Coin Kurier: Wird im Bärenmarkt überhaupt noch an Bitcoin ATMs gekauft?

Dr. Stefan Grill: Also grundsätzlich ja! Für die Aktivität unserer Automaten ist es vor allem immer dann schlecht, wenn der Preis über längere Zeit hinweg stabil bleibt. Sobald Bewegung im Markt stattfindet, sieht man auch entsprechende Umsätze an den Automaten. Aber natürlich – und das ist kein Geheimnis – ist ein Bärenmarkt für alle Marktteilnehmer unangenehm.

Coin Kurier: Wieviele ATMs hat die Kurant bisher aufgestellt und befinden sich diese nur in Metropolregionen, oder auch in kleineren Bezirken?

Dr. Stefan Grill: In Summe haben wir 50 Automaten aufgestellt, davon die meisten in Österreich. Wir haben aber auch einen in Amsterdam und einen in Turin, Italien, platziert. Im Bezug auf die regionale Verteilung, haben wir versucht eine gute Mischung zu erreichen. Grundsätzlich lässt sich resümieren, dass die Aktivität mit der Größe der Region steigt, allerdings gibt es auch ländliche Standorte mit einer kryptoaffinen Community. Die Standortwahl entscheidet sich auch dadurch, ob wir ein gutes Verhältnis zu einem kryptoaffinen Inhaber aufgebaut haben. Wir schränken uns nicht ein, im Bezug auf bestimmte Regionen, sondern versuchen möglichst flächendeckend zu agieren. Auch die grenznahen Regionen sind für uns interessant.

Coin Kurier: Sind Bitcoin ATMs überhaupt rentabel?

Dr. Stefan Grill: In einer stärkeren Marktlage sind die ATMs natürlich gewinnbringender, als heute. Aber auch aktuell sind unsere Automaten lukrativ. Natürlich gibt es auch Standorte, die nicht rentabel sind, die löst man dann halt wieder auf. Es ist herausfordernd im Bärenmarkt, aber weiterhin gut möglich.

Coin Kurier: Werden die ATMs von Neulingen oder vor allem von Krypto-Liebhabern genutzt?

Dr. Stefan Grill: Es ist ja so, dass Sie mit Krypto-ATMs in erster Linie eine Klientel erreichen, die mit dem Kryptomarkt das erste Mal in Berührung kommt. Für diese Kunden sind ATMs einfach perfekt. Aber auch für den Krypto-Liebhaber ist die Unmittelbarkeit solcher Automaten interessant.

Coin Kurier: Wie ist die Rechtslage im Bezug auf KYC?

Dr. Stefan Grill: Uns ist das Thema Compliance und KYC sehr wichtig. Bei kleineren Beträgen gibt es in Österreich allerdings keine klare Rechtslage. Auf die Empfehlung von Juristen erlauben wir anonyme Transaktionen von bis zu 250€. Sobald Sie die 250€ überschreiten, verlangen unsere Automaten ein Foto von Ihnen und Ihrem Ausweis.

Coin Kurier: Aber ist die Grenze nicht völlig willkürlich? Schließlich wäre es doch möglich, mehrfach Beträge unterhalb des Limits anonym abzuheben.

Dr. Stefan Grill: Grundsätzlich haben Sie Recht. Allerdings betreiben wir ja auch ein Monitoring und können eigenartige Aktivitäten entsprechend auch feststellen und dagegen vorgehen. Wir nehmen das sehr ernst.

Coin Kurier: Herr Dr. Grill, vielen Dank für das Gespräch!

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