Bitcoin Cash – eine Analyse

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Bitcoin Cash ist eine Alternative zur Digitalwährung Bitcoin. Der Unterschied zwischen den beiden Währungen ist vor allem ideologischer Natur. Wie skaliert Bitcoin besser, On-Chain (also auf der Blockchain) oder Off-Chain (also mit einer Second-Layer-Lösung wie Lightning)? Bitcoin Cash hat sich mit einer Fork vom Bitcoin abgespalten, da sich der Skalierungsstreit zuspitzte. Es scheint, als seien die beiden Lager unversöhnlich zerstritten.

Bitcoin Cash (BCH) ist durch eine am 1. August 2017 vollzogene Fork des ursprünglichen Bitcoin-Protokolls entstanden und stellt eine Alternative zum Bitcoin dar. Grund für die Spaltung waren Uneinigkeiten darüber, wie man der Skalierungsprobleme des Bitcoin Herr werden könne. Die Fraktion hinter Bitcoin Cash entschied sich für eine Vergrößerung der Blockgröße. Dieser Weg ist bis heute sehr umstritten, was Grund dafür ist, dass Bitcoin gerechnet nach Marktkapitalisierung noch lange nicht von Bitcoin Cash verdrängt wurde. Bitcoin hingegen sieht die Second-Layer-Technologie „Lightning“ als die optimale Antwort auf die Skalierungsfrage an.

Rang: 4

Marktkapitalisierung: $16.675.001.471

Empfohlene Wallet:

Hard Wallets: Ledger Nano S oder Trezor

Soft Wallets: Jaxx oder Exodus

Geschichte hinter Bitcoin Cash

Bitcoin als erste auf der Blockchain basierende Kryptowährung ist seit seiner Entwicklung im Jahre 2009, gerechnet nach Marktkapitalisierung, der unangefochtene Spitzenreiter im Markt. Der Grund dafür ist seine Reputation als sicherste auf Kryptographie basierende Digitalwährung. Die beispiellose Sicherheit vor 51% Attacken und seine im Vergleich zu anderen Kryptowährungen gute Preisstabilität sorgt dafür, dass Bitcoin trotz der zuweilen hohen Transaktionskosten nicht an Beliebtheit einbüßt. Allerdings bestehen auch eine Reihe von Problemen, über deren Lösung sich die Entwickler des Bitcoin bis heute noch uneinig sind.

Satoshi Nakamoto – der Entwickler des Bitcoin – hat die Blockgröße von Anfang an auf 1 MB (Megabyte) beschränkt, um die Blockchain vor DDOS-Attacken (Lahmlegung des Systems durch künstlich erzeugten Verkehr einer hohen Anzahl von Computern) zu bewahren. Zur Zeit der Gründung des Bitcoins war die Begrenzung der Blockgröße kein Problem, da er sich vornehmlich nur im Darknet und in Informatikerkreisen großer Beliebliebtheit erfreute. Doch nachdem im Laufe der letzten Jahre auch Hobbyinvestoren auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen sind, hat sich die Begrenzung der Blockgröße als Hindernis für eine weitere Skalierung herausgestellt.

Ab Mitte 2017 musste in Einzelfällen Tage auf die Bestätigung einer Transaktion gewartet werden. Nutzer hatten zwar die Option, über die Zahlung hoher Gebühren die Bestätigung ihrer Transaktion zu beschleunigen, allerdings lagen diese teilweise im Bereich von über 15€ pro Geldbewegung, sodass der Bitcoin als Alltags-Zahlungsmittel seinen Reiz verlor.

Als Lösung der Skalierungsproblematik wurden zwei Vorschläge präsentiert: Der erste Vorschlag trug den Namen SegWit. Die Idee dahiner war, manche der über die Blockchain vermittelten Dateien separat, also jenseits der Blockchain, zu sichern. Ziel sollte sein, dadurch Platz in den Blocks für eine höhere Zahl an Transaktionen zu schaffen. Manche Entwickler kritisierten den Vorschlag als ungenügend zur Behebung der zugrunde liegenden Problematik und schlugen alternativ vor, die Blockgröße gänzlich aufzuheben um die Möglichkeit zu schaffen alle Transaktionen unterzubringen, indem man die Blockgröße dem jeweiligen Bedarf anpasst. Kritiker dieser Option wandten ein, dass dadurch die Ledger, das digitale Kassenbuch des Bitcoins, zu einer solchen Größe anwüchse, dass ein einfacher Halter einer Node langfristig nicht mehr die nötige Bandbreite für die Prozessierung der Blöcke aufzubringen vermöchte, wodurch große Pools an Macht im Netzwerk gewännen und der Bitcoin damit allmählich zentralisiert würde.

Der Kompromissvorschlag lautete SegWit2x und beinhaltete eine Anhebung der Blockgröße auf 2 MB inklusive der separaten Datenspeicherung, die bereits bei SegWit diskutiert wurde. Ein Teil der Entwicklertruppe hielt diesen Vorschlag allerdings für nicht ausreichend zur Lösung der Problematik, kapselte sich ab und entschied eine Hard Fork zu erzwingen, in welcher die Blockgröße auf 8 MB erhöht wird. Während Bitcoin also auf der einen Seite am 1. August zunächst nur die Separierung der Datenspeicherung implementierte, entstand am selben Tag Bitcoin Cash mit der Absicht Bitcoin als Digitalwährung für den täglichen Gebrauch zu ersetzen.

Nach vollzogener Fork erhielt jeder Nutzer 1:1 für jeden Bitcoin einen Bitcoin Cash. Hard Forks sind in Entwicklerkreisen sehr umstritten, da sie der Idee hinter zwei Grundprinzipien des Bitcoin widersprechen: Der Unveränderlichkeit der Blockchain und der begrenzten Anzahl an Coins. Denn obwohl sich die Bitcoin-Zahl nicht verändert hat, wurde mit den Bitcoin Cash-Coins Wert aus dem Nichts geschaffen, wodurch eine deflationäre Wirkung erzwungen wurde.

Weitere Hard Fork

Am 15. Mai haben die Bitcoin Cash-Entwickler eine weitere Hard Fork dazu genutzt, das Protokoll weiterzuentwickeln. Da sich diesmal allerdings alle Entwickler einig waren, entstand Gabelung im eigentlichen Sinn, da keine zweite Währung geschaffen wurde. Daher spricht man hier auch einfach von einem Update des Protokolls.

Die Blockgröße wurde erneut angehoben. Diesmal von 8 MB auf 32 MB, also eine Vervierfachung der ohnehin schon hohen Blockgröße. Als Grund nennen die Entwickler, dass man sich gut auf die kommende Massenadaption gefasst machen möchte. Außerdem wurde mehrere Operationscodes eingefügt, die im ursprünglichen Bitcoin-Protokoll eingesetzt wurden, allerdings später von Satoshi Nakamoto deaktiviert wurden, da er befürchtete, dass sie Bitcoin dadurch anfällig für Hackerangriffe werden könnte. Bitcoin Cash hat daher nur ein paar Operationscodes mit begrenzten Funktionen eingefügt, welche im Laufe der Zeit ergänzt und ausgebaut werden können. Man möchte sicher gehen, dass sie das Netzwerk nicht gefährden – so die Entwickler.

Die neuen Codezeilen ermöglichen, dass neben Transaktionen auch wieder Daten auf der Blockchain gesichert werden können. Damit wurde die von Satoshi deaktivierte Grundlage für Smart Contracts wieder reaktiviert. Ähnlich wie Ethereum, könnte Bitcoin Cash damit künftig auch als Plattform für dApps (dezentrale Applikationen) dienen. Zur Zeit ist aber nur die Entwicklung sogenannter Colored Coins mit dem Bitcoin Cash-Protokoll möglich. Diese können z.B. dazu genutzt werden, den aktuellen Goldpreis abzubilden.

Bitcoins Lösung

Unter Bitcoin-Entwicklern herrschte schon immer große Uneinigkeit darüber, wohin das Mutterschiff steuern soll. Viele kritisieren diese Tendenz als Stagnation. Andere hingegen finden es wichtig, dass der Bitcoin nicht an Sicherheit und Unabhängigkeit verliert und bevorzugen daher kleine aber sichere Schritte in der Weiterentwicklung.

Der Hoffnungsträger vieler Bitcoin-Enthusiasten ist das sogannante Lightning Network, welches die Antwort auf die Skalierungsproblematik sein soll. Kurz gefasst handelt es sich dabei um eine Technologie, die dem aktuellen Bitcoin-Protokoll aufgesetzt werden soll, um einen Teil der Transaktionen Off-Chain, also jenseits der Blockchain, abzuwickeln. Die Beta von Lightning wird bereits erfolgreich angewandt. Noch muss aber auskultiert werden, wie sicher die Technologie in ihrem jetzigen Stadium ist. Dann ist es an Entwicklern der Wallets, Lightning zu implementieren und an den Nutzern, diese Technologie zu adaptieren.

Schlussfolgerung

Es wäre müßig darüber zu spekulieren, ob es BCH langfristig gelingt BTC auszustechen. Nur eine genaue Beobachtung der Effekte, welche die Vergrößerung der Blockgröße auf Miner und damit die gesamte Infrastruktur haben wird, kann einem der Beantwortung dieser Frage näher bringen.

Als einer der größten und beliebtesten Coins, wird Bitcoin Cash so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden. Wie genau sich aber Bitcoin Cash entwickeln wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Bitcoin seine Skalierungsprobleme mit Lightning in den Griff bekommt.

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