Zentralbanken ätzen gegen Kryptowährungen

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Die Justitia ist ein Zeichen der Gerechtigkeit und des Abwägens | © Depositphotos
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Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), eine Organisation mit Sitz in der Schweiz, die einen Dachverband für 60 Zentralbanken darstellt, hat am Sonntag ein Positionspapier über Kryptowährungen veröffentlicht. In dem 24 Seiten umfassenden Papier, kommt die BIZ zu der Schlussfolgerung, dass Kryptowährungen nicht ausreichend skalierbar wären, um als Alternative zu traditionellen Fiat-Währungen fungieren zu können.

Der BIZ zufolge seien Kryptowährungen nicht in der Lage, ausreichend zu skalieren, um als globales Transaktionsmittel dienen zu können. Das ging aus einem Positionspapier hervor, welches die Bank am Sonntag veröffentlichte. Relevant ist dieses Papier vor allem deshalb, weil die BIZ die Funktion als die Bank der Zentralbanken übernimmt. Ihrer Webseite zufolge, repräsentiert sie 60 der global größten Zentralbanken, die zusammen mehr als 95% der globalen BIPs verwalten. Es ist daher davon auszugehen, dass das Papier wegweisend für deren Handhabung mit Kryptowährungen sein wird.

Die zentralen Kritikpunkte seien vor allem die mangelnde „Skalierbarkeit“ und „Wertstabiltät“, sowie die Tatsache, dass sich der Wert einer Kryptowährung ausschließlich nach dem Vertrauen bemisst, das es von seinen Nutzern erhält. Denn schwindet das Vertrauen in eine Kryptowährung, so das Papier, würde ein „kompletter Wertverlust“ die Folge sein. Dass aber das von Zentralbanken ausgegebene Fiatgeld in gleichem Maße auf dem Vertrauen seiner Nutzer basiert, wird an keiner Stelle genannt.

Die BIZ führt weiter aus, dass selbst wenn diese Unzulänglichkeiten einmal ausgeräumt würden, die „geringe Effizienz und der hohe Energieverbrauch“, welche aus dem Mining zur Verifikation der Transaktionen resultierten, zwei Ausschlusskriterien für eine erfolgreiche globale Währung darstellen. Dass hier mit Hochdruck an Innovationen gearbeitet wird, ist der BIZ allerdings keiner näheren Ausführungen wert. Nur in einer Fußnote wird knapp darauf hingewiesen, dass sowohl Optionen bestehen den Energieverbrauch einzudämmen (Proof-of-Stake) als auch die Effizienz des Netzwerkes zu steigern (Lightning).

Zusätzlich werden Forks als ein Problem eingeschätzt, da sie das Potenzial hätten, einen „totalen Wertverlust“ einer Währung zu erzwingen. An dieser Stelle wird ein Beispiel aus dem Jahre 2013 herangezogen, bei dem Bitcoin um „fast ein Drittel“ an Wert verloren hat, nachdem eine Fork erfolgt war. Ausgelassen wird allerdings das wichtige Detail, dass sich der Preis einige Stunden später beinahe wieder vollständig erholt hat.

Die BIZ betont außerdem, dass die Gefahr einer Zentralisierung des Minings durch eine Privatorganisation bestünde, wodurch Marktmanipulationen Tür und Tor geöffnet würde. Ein eigentlich berechtigter Einwand, aber eine reine Farce angesichts der massiven Privatisierung des internationalen Bankenwesens.

Auch die Möglichkeit einer Digitalwährung für Zentralbanken (CBDC) wird erläutert. Die BIZ zieht allerdings das Fazit, dass selbst wenn eine solche CBDC technisch umzusetzen wäre, die bestehenden „Sicherheitslücken“ eine zu große Gefahr für den internationalen Finanzsektor wären.

Schlussfolgerung

Der Umgang von Zentralbanken mit Kryptowährungen ist entscheidend. Sie sind der Hauptkonkurrent um die Deutungshoheit im internationalen Finanzsystem. Als ernsthaften Wettbewerber konnte sich der Bitcoin bislang noch nicht positionieren. Aber deutlich wird, dass Banken durch den Wirbel um das kryptographische Digitalgeld hellhörig geworden sind. Das Positionspapier könnte richtungsweisend für den künftigen Umgang von Banken mit Kryptowährungen sein.

Auch wenn gerade von vielen Krypto-Investoren eine breitere Akzeptanz seitens des traditionellen Bankenwesen ausdrücklich gewünscht ist, da dadurch mehr Geld in den Markt flöße, wodurch die Kurse stiegen, sollte man nicht zu früh den Kopf in den Sand stecken. Denn je länger Banken das Potenzial hinter Kryptowährungen nicht für ihre Zwecke missbrauchen, desto länger bleibt Entwicklern Zeit, eine Infrastruktur für Digitalwährungen auszubauen, die eine wahrhaftige Alternative zum konventionellen Geldsystem darstellen. Langfristig könnte das Papier damit einer Schicksalsentscheidung zugunsten der Hodler gleichkommen.

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