NEO – eine Analyse

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NEO gilt als das "Ethereum von China" | © Depositphotos
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Die Smart Contract-Plattform NEO gibt sich gerne als der „Ethereum Killer“. Sie verspricht viele Probleme ihres Konkurrenten lösen zu wollen. Was hinter der Plattform steckt und ob sie ihren Versprechungen standhält, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Smart-Economy-Plattform NEO (früher Antshares), wird gerne als das Ethereum Chinas bezeichnet. Denn ähnlich wie ihr Wettbewerber möchte NEO eine Plattform für dezentrale Applikationen (dApps) werden. Die Plattform nutzt zwei verschiedene Tokens: Den gleichnamigen Token NEO und GAS. Beide sind integraler Bestandteil des Konzepts.

Bekannt wurde der Token NEO vor allem durch seinen starken Preisanstieg im Jahre 2017 und seinen Exklusivstatus in China. Die sozialistische Regierung der ostasiatischen Volksrepublik, scheint nämlich zunehmend Regulierungen zu basteln, die es chinesischen Programmierern massiv erschwert, eine konkurrenzfähige Alternative aufzubauen.

Seit Bitcoin im Jahre 2009 gestartet ist, tauchen regelmäßig neue Kryptowährungen und Blockchain-Projekte auf, die sich als besser, sicherer oder funktionaler präsentieren. Das wohl leuchtendste Beispiel für diese Entwicklung ist die 2015 geschaffene Ethereum-Plattform. Durch ihre Implementierung von Smart Contracts, welche die Entwicklung von dApps auf ihrer Plattform ermöglichen, wurde die Blockchain erst zum Massenphänomen. NEO schlägt nun in die gleiche Kerbe, hat diese Vision aber zum Teil anders umgesetzt.

Smart Contracts

So wie auch Ethereum, hat NEO Smart Contracts implementiert. Diese können Entwickler nutzen, um ihre Projekte in Form von dApps auf der NEO-Plattform zu realisieren. Ein Smart Contract ist ein Vertrag, der digital zwischen zwei Personen geschlossen wird. Zum Beispiel um einen Tausch von Werteinheiten durchzuführen. Dieser Tausch wird online und vollautomatisch vollzogen, sobald das Programm feststellt, dass die zum Tausch vereinbarten Werteinheiten auf beiden Seiten vorliegen. NEO erlaubt den Programmierern den Entwurf von dApps mit einer ganzen Bandbreite an Codes.

Mit NeoFS bietet die Plattform außerdem die Möglichkeit an, Daten dezentral auf der NEO-Blockchain zu speichern. Anstatt wie etwa bei der Dropbox die Daten in der Cloud eines zentralen Unternehmens zu lagern, können die Daten für eine geringe Gebühr kryptographisch verschlüsselt bei jemandem gelagert werden, der auf seinem Rechner Speicher übrig hat und bereit ist, diesen für eine entsprechende Anzahl an GAS zur Verfügung zu stellen.

NEO und GAS-Token

Die NEO-Plattform nutzt zweierlei Tokens – NEO und GAS. Ein NEO-Token repräsentiert dabei eine Art Aktie der NEO-Blockchain. Denn seine Besitzer erhalten je Token eine Wahlstimme, mit der sie für einen Konsens-Knoten (Consensus Node) stimmen können. Ein Konsens-Knoten wiederum ist dafür verantwortlich, neue Blöcke in der Blockchain einzugliedern und Entscheidungen für die Plattform zu fällen. Zum Beispiel sind die Leiter der Konsens-Knoten für die Festlegung von Dienstleistungskosten verantwortlich. Was NEO von anderen Tokens unterscheidet: Während sich ein Bitcoin in 100.000.000 Satoshis unterteilen lässt, ist ein NEO, ähnlich wie eine Aktie, unteilbar.

Um NEO besser gegen andere Token eintauschen zu können, teilen Exchanges NEO trotzdem fraktionell auf – der Praktikabilität wegen. Wer aber versucht, 1,56 NEO auf seine Wallet zu transferieren, wird merken, dass das nicht möglich ist. Stattdessen wird nur 1 NEO auf die Wallet verschoben und 0,56 NEO bleiben auf der Exchange zurück und müssen zum Transfer auf die Wallet in andere, teilbare Tokens eingetauscht werden.

Aktuell sind Geldbewegungen kostenlos. Allerdings sieht das Protokoll vor, dass die Leiter der Konsens-Knoten jederzeit Transaktionsgebühren einführen können. Diese würden dann lediglich an die Besitzer der Knoten, nicht aber an alle NEO-Hodler ausgeschüttet werden.

GAS hingegen ist ähnlich wie Ether (bei Ethereum) dazu da, Dienstleistungen auf der NEO-Plattform zu bezahlen. Diese GAS werden dann proportional auf alle NEO-Hodler aufgeteilt. GAS-Token erhält ein Hodler dann, wenn er NEO in einer Wallet hält.

NEO gibt sich als sicher

Um das Netzwerk gegenüber Betrügern sicher zu machen, müssen Transaktionen verifiziert werden. Der Bitcoin nutzt dafür das sogenannte Proof-of-Work-Verfahren. Die Gründer von NEO haben sich dafür ein neues System erdacht: Delegated Byzantine Fault Tolerance (dBFT). Primäres Ziel dieser Konsens-Methode ist es, Forks zu verhindern. 

Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat mithilfe von Experimenten aufzeigen können, dass Quanten-Computer womöglich imstande sind, das Bitcoin Netwerk zu Fall zu bringen. Durch den eigens für NEO erfundenen Mechanismus NeoQ, so versprechen NEOs Entwickler, soll die Plattform gegen Quanten-Computer immun sein.

Kritik

Im März dieses Jahres ist das NEO-Netzwerk für mehrere Stunden kollabiert, obwohl nur ein einziger Konsens-Knoten offline gegangen war. Ein sehr alarmierendes Zeichen für alle NEO-Hodler. Ein wahrhaftig dezentrales Netzwerk sollte nicht nur den Crash eines Knotens, sondern dutzender Knoten auf einmal locker wegstecken können.

Was den Bitcoin so einzigartig macht, ist seine dezentrale Struktur. NEO scheint auf Dezentralität nur geringfügig Wert zu legen. Denn während das Bitcoin-Protokoll dadurch eine dezentrale Verteilung der Coins ermöglicht, dass alle 10 Minuten eine feste Anzahl an Bitcoins an einen Schürfer ausgegeben werden, wurden alle NEO-Tokens bereits vorgeschürft. 50 der 100 Millionen Coins behielt die NEO-Kommission ein. Auch wenn die Kommission mit einem Teil dieser Coins versprochen hat, Projekte zu finanzieren, die dem Netzwerk zu Gute kommen, gleicht diese Art der Coinausgabe einer Planwirtschaft. Aber keineswegs einem dezentralen Aufbau wie man es von einer Kryptowährung erwarten sollte.

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