Mysteriöser Buchausschnitt veröffentlicht. Ist Satoshi Nakamoto wieder da?

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Wer sich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto verbirgt, ist bis heute nicht bekannt. | © Depositphotos
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Seit 2011 ist Satoshi Nakamoto aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden. Am Freitagabend jedoch, wurde auf einer anonym erstellten Domain ein Buchausschnitt veröffentlicht, der laut eigener Aussage einen Einblick in ein bald erscheinendes Buch liefern soll. Der Autor soll kein geringerer als der Bitcoin-Gründer selbst sein.

Satoshi Nakamoto ist über seine Rolle als Gründer des Bitcoins hinaus gewachsen. Die Identität des mysteriösen Gründers ist bis heute schleierhaft. Sein Erbe ist gigantisch: Mit der Erfindung der Blockchain hat Nakamoto eine Technik entwickelt, die ganze Industrien aufmischen könnte. Der Kult um die Blockchain hat sogar einen Fan dazu veranlasst, eine ganze Religion auf Grundlage dieser Technologie zu basieren. Ein Buch über die Motivation zur Gründung des Bitcoins soll nun die fulminante Wiederkehr des Bitcoin-Gründers einläuten.

Vergangenen Freitag wurde die Domain NakamotoFamilyFoundation.org anonym bei Amazons Domain-Register erworben, wie WIRED berichtet. Laut eigener Aussage möchte der Bitcoin-Gründer hier seine Motivation zur Gründung des Bitcoins dokumentieren. Und tatsächlich erinnert die Aufmachung der Webseite stark an Satoshi Nakamoto: Minimalistisch, humoristisch, rätselhaft. Verifiziert ist seine Identität aber nicht.

Viel gibt die ominöse Webseite nicht her. Nur eine knappe Buchankündigung, ein Kryptogramm und einen Buchausschnitt. Das Kryptogramm ist wie auf der Webseite geschrieben steht, „kinderleicht“. Löst man es, ergeben sich drei Worte, welche den Titel der zweibändigen Buchserie ergeben sollen: Honne and Tatemae. Einem Mitarbeiter des Coin Kuriers zufolge, der eine Zeitlang in Japan gelebt hat, handelt es sich dabei um zwei im japanischen Kulturkreis gerne verwandte Ausdrücke. „Honne“ steht dabei für die wahren Gefühle einer Person und „Tatemae“ für die freundliche Fassade, die man sich in Gesellschaft auferlegt um die wahren Gefühle zu kaschieren.

In Bezug auf das Buch des angeblichen Bitcoin-Gründers, würde das wohl bedeuten, dass er nun seine Maske (Tatemae) ablegen möchte und in dem Buch einen näheren Einblick in seine Persönlichkeit (Honne) liefern will. Bezeichnenderweise ist der Auszug mit „Duality“ (auf Deutsch: Dualität) betitelt.

Duality

Ob Satoshi oder nicht, der pseudonyme Gründer der Domain hat sich alle Mühe gegeben, den Charakteristika zu entsprechen, die auch Satoshi zugesprochen werden. So betont er, dass er sich der Cypherpunk-Gemeinde angeschlossen haben, da dort „Anonymität so fundamental war, wie Luft zu atmen“. Und auch dass der Ausschnitt 21 Seiten lang ist, wird kein Zufall sein. Es können nämlich nicht mehr als 21 Millionen Bitcoins geschürft werden. Ein Detail, das an einer weiteren Stelle näher erläutert wird. Ursprünglich sollte die Bitcoin-Zahl dem Dokument zufolge nämlich auf 42 Millionen gedeckelt sein.

An einer weiteren Stelle im Text steht geschrieben, dass es Satoshis ursprüngliche Auffassung war, dass Hardwares gemäß dem mooreschen Gesetz im Laufe von zehn Jahren „100 Mal schneller“ werden würden. Das mooresche Gesetz besagt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise durch Innovationen innerhalb von ein bis zwei Jahren regelmäßig verdopple. Der Autor konstatiert dann aber: „Ich lag falsch“. Brisant ist dieser Abschnitt vor allem deshalb, weil das mooresche Gesetz häufig von Bitcoin Cash-Befürwortern vorgebracht wird, um eine Skalierung durch Anhebung der Blockgröße zu rechtfertigen – wofür mit anwachsender Blockchain eine immer schnellere Hardware vonnöten ist. Durch das Eingeständnis, dass er damit einem Irrtum erlegen sei, distanziert er sich indirekt von Bitcoin Cash. Der Text legt also zwischen den Zeilen nahe, dass stattdessen eine Second Layer-Technologie wie das Lightning zu befürworten wäre.

Falsche Satoshis

Es ist nicht das erste Mal, dass jemand von sich behauptet, Satoshi Nakamoto zu sein. Der australische Computerwissenschaftler Craig Steven Wright hat bereits 2016 behauptet, das Genie hinter der ersten dezentralen Digitalwährung Bitcoin zu sein. Beweise hat er nicht erbracht. Am Wochenende feuerte er auf Twitter gegen die NakamotoFamilyFoundation. Er bekräftigt darin, dass sowohl technische Details nicht korrekt wieder gegeben werden, als auch Ereignisse falsch datiert seien. Wer auch immer hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto steckt, er müsste noch immer im Besitz der kryptographischen Schlüssel sein, mithilfe derer er seine Identität ganz einfach beweisen könnte. Er müsste lediglich ein paar seiner Coins öffentlichkeitswirksam auf eine andere Adresse verschieben.

Solange dieser Beweis nicht erbracht ist, kann der Text nur als Fiktion gewertet werden. Auch auf Reddit und Twitter sind sich viele Nutzer einig, dass es nicht Satoshis Natur entspräche, Details über sein Leben zu veröffentlich breit zu treten. Satoshi hat sich immer sehr bedeckt gehalten, was seine Motivation zur Gründung der Digitalwährung anbetrifft. Im Gegensatz zu dem Original scheint der Betreiber der Webseite es auch nicht zu verstehen, Interpunktionen richtig zu setzen. Eine gewisse Skepsis ist also angebracht. Vorstellbar wäre auch, dass die Webseite der Beginn einer groß angelegte Kampagne ist, die mit Satoshis Identität auf finanziellen Profit aus ist. Taucht auf der Webseite in naher Zukunft eine Spendenadresse auf, sollte die Skepsis wachsen.

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