Gerüchte um Krypto-Trading-Desk von Goldman Sachs laufen ins Leere – Kurse gehen in den Keller

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Goldman Sachs eröffnet keinen Krypto-Trading-Desk | © Depositphotos
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Die große Investment Bank Goldman Sachs wird fürs Erste keinen Krypto-Trading Desk, also eine Handelsabteilung zum direkten Handel von Kryptogeld einrichten. Allerdings arbeitet die Firma weiterhin an einem Verwaltungs-Angebot. Die Kurse der beliebtesten Kryptowährungen stürzten am Tag der Nachricht ein, allerdings gibt es auch eine andere Erklärung für den Wertverfall.

Die aus New York stammende Investmentbank Goldman Sachs ist das vielleicht am besten vernetzte Unternehmen der Welt. Der aktuelle US-Finanzminister Steven Mnuchin und Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sind nur zwei Beispiele von ehemaligen Mitarbeitern des Finanzunternehmens, die es zu weltweiten Spitzenpositionen gebracht haben. Auch die ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“ hat diese Vernetzungen 2012 einmal satirisch aufs Korn genommen.

Wenn diese Bank eine Entscheidung trifft, kann das weitreichende Schockwellen aussenden. Das musste die Krypto-Gemeinde gestern offenbar am eigenen Leib erfahren.

Doch kein Trading Desk in absehbarer Zukunft

Bereits Ende des letzten Jahres hatte die Nachricht die Runde gemacht, Goldman Sachs plane einen Trading Desk für Kryptowährungen einzurichten, also den direkten Handel mit Bitcoin & Co. aufzunehmen. Damals hieß es, der Start des Projekts sei auf Ende Juni 2018 angesetzt, doch das Datum verstrich ereignislos.

Nun kam die Absage: Ungenannten Quellen zufolge habe das Vorhaben keine Priorität mehr und werde in absehbarer Zukunft nicht umgesetzt. Als Grund wird die weiterhin unklare rechtliche Lage genannt. Auch das allgemein gesunkene Interesse der Öffentlichkeit dürfte eine Rolle spielen.

Kurse brechen ein – Goldman Sachs oder Silk Road schuld?

Der zarte Aufschwung der letzten Tage wurde kurz nach Verbreitung der Nachricht durch die Wirtschafts-Nachrichtenseite Business Insider abrupt beendet. In den letzten 24 Stunden sank der Wert des Bitcoin um über zehn Prozent, andere beliebte Coins wie EOS oder IOTA büßten sogar über 20% ein.

Aber es gibt noch eine weitere Theorie, die den Kurseinbruch erklären könnte. Sie dreht sich darum, dass eine Wallet mit mehr als 111.000 Bitcoin begonnen habe, ihr Vermögen massenweise auf den Handelsplätzen zu verschleudern. Sie soll mit dem 2013 durch das FBI geschlossenen Online-Schwarzmarkt Silk Road in Verbindung stehen.

Sogenannte Wale, Besitzer von gewaltigen Anteilen einer Kryptowährung, werden immer wieder beschuldigt, durch Großverkäufe ihrer Coins Preisstürze auszulösen. Nennenswert wäre dazu Nachlassverwalter der bankrotten Exchange Mt. Gox, Nobuaki Kobayashi. Diesem wird vorgeworfen, für den Wertverlust des Bitcoins seit Dezember 2017 mitverantwortlich zu sein, was dieser jedoch dementiert.

Andere Krypto-Projekte der Investmentbank gehen weiter

Es ist übrigens keineswegs der Fall, dass Goldman Sachs Digitalwährungen völlig den Rücken zukehren würde. Die Bank hat ihre Pläne für ein Krypto-Custody-Angebot, also die sichere Verwahrung des Coin-Vermögens von Großanlegern, nicht aufgegeben. Auch behält sie als Großinvestor des Krypto-Unternehmes Circle, zu der auch die Exchange Poloniex gehört, einen Fuß in der Tür zum Krypto-Markt. Im Handel mit den im vergangenen Dezember gestarteten Bitcoin-Futures ist Goldman Sachs ebenfalls aktiv.

Nüchtern betrachtet bleibt es fraglich, ob die Absage für den Trading Desk wirklich so dramatisch ist. Man kann argumentieren, dass es sowieso schon genug Trader in der Krypto-Sphäre gibt, die mit kurzfristiger Spekulation die tägliche Schwankungsbreite im Markt verursachen.

Dagegen könnte die Entwicklung des Verwaltungs-Angebots langfristig denkende institutionelle Investoren anlocken. Zwar hat Coinbase einen entsprechenden Dienst schon Anfang Juli gestartet, aber das alte Geld würde sich sicher besser durch einen altehrwürdigen Namen wie Goldman Sachs anlocken lassen, als durch den vergleichsweise jungen Emporkömmling aus Kalifornien.

+ + + Ergänzung – 7. September 10:30 Uhr + + +

Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Artikels machte die Nachricht die Runde, dass es sich bei der Meldung um „Fake News“ handele. So formulierte es Martin Chavez, Chief Financial Officer von Goldman Sachs, auf der TechCrunch Disrupt Konferenz in San Francisco.

Das darf allerdings nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass die Investmentbank doch weiterhin auf einen Krypto-Trading Desk hinarbeitet. Viel mehr war die ursprüngliche Bloomberg-Meldung vom letzten Dezember, der zufolge ein solches eingerichtet werde, nie von Goldman Sachs bestätigt worden. Genau wie bei dem kürzlich veröffentlichten Business Insider-Artikel hatte sich Bloomberg ausschließlich auf anonyme Quellen berufen.

Wir haben uns telefonisch bei Goldman Sachs erkundigt. Demnach habe die Bank selbst nie mehr gesagt, als dass man einen Trading Desk prüfen werde, von einem genauen Zeitplan sei nie die Rede gewesen.

Haben die Märkte in deinen Augen auf die Goldman Sachs Nachricht überreagiert,  ist die Silk Road-Wallet verantwortlich oder war es eine Mischung aus beidem? Schreib uns deine Gedanken dazu in die Kommentarspalte!

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