Drei Gründe weshalb Altcoin-Kurse von Bitcoin-Fluktuationen abhängen

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Bitcoin gilt als das Gold unter den Kryptowährungen | © Depositphotos
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Fällt der Bitcoin-Preis, fallen die Altcoin-Preise. Steigt der Bitcoin-Preis, steigen die Altcoin-Preise. Diese beinahe parallel verlaufenden Kursentwicklungen zeichnen sich seit der Existenz von Altcoins ab. Der Coin Kurier hat drei Gründe dafür identifiziert.

Es scheint fast, als würden die Preise des Bitcoins und der Altcoins aneinander kleben. Gerade bei großen Fluktuationen fällt auf, dass die Preise beinahe aller Coins und Tokens grob dem gleichen Kurvenverlauf folgen. Grund dafür ist vor allem, dass der Preis von Altcoins zumeist in Satoshis, also der kleinsten Untereinheit des Bitcoins bemessen wird. Dadurch entsteht eine gewisse Abhängigkeit, die sich in ähnlichen Kursverläufen niederschlägt.

Ein Grund weshalb Großinvestoren wie Warren Buffet ihre Finger vom Bitcoin und anderen Kryptowährungen lassen, ist deren hohe Volatilität. Es ist keine Seltenheit, dass Coins und Tokens innerhalb weniger Stunden einen Preiszuwachs bzw. einen Preisabfall im zweistelligen Prozentbereich verzeichnen. Interessant ist dabei, dass die Kurse im Kryptomarkt einen sehr ähnlichen Kursverlauf haben. Woher aber kommt diese Abhängigkeit? Der Coin Kurier hat drei Gründe identifiziert:

1. Bitcoin als Reservewährung

Wer nicht nur hodlt, sondern ab und zu auch Kauf- und Verkaufsaufträge setzt, um die starken Fluktuationen im Markt zu nutzen, wird wahrscheinlich den Bitcoin als Reservewährung gewählt haben. Denn im Vergleich zu den Altcoins ist der Preis des Bitcoins am stabilsten.

Die meisten Handelsplätze bieten die Möglichkeit der Einstellung, dass ein Altcoin automatisch verkauft oder gekauft wird, sobald er relativ zum Bitcoin eine ensprechende Zahl an Satoshis erreicht hat.

Löst eine schlechte Nachricht oder ein starker Abverkauf durch einen Wal aus, dass die Nachfrage nach Bitcoins sinkt bzw. ein höheres Angebot bei den Handelsplätzen vorherrscht, dann fällt der Bitcoin-Preis. Das wiederum zieht nach sich, dass die Altcoin-Preise relativ zum Bitcoin-Preis steigen und automatisierte Verkaufsaufträge ausgelöst werden. Durch diesen Abverkauf der Altcoins in Bitcoin, entsteht wiederum ein erhöhtes Altcoin-Angebot auf den Handelsplätzen, wodurch deren Preise ebenfalls fallen und der Bitcoin relativ dazu wieder etwas ansteigt.

Hinzu kommt, dass auch viele Bots mit Bitcoin als Reservewährung traden, wodurch dieser Trend noch verstärkt wird.

2. Geringes Handelsvolumen

Auffällig ist, dass die Altcoin-Preise in einem Bärenmarkt stärker einbrechen als der Bitcoin-Preis. Der Grund dafür liegt darin, dass der Bitcoin im Kryptomarkt noch immer ein beispielloses Handelsvolumen besitzt. Mit Altcoins hingegen wird im Vergleich deutlich seltener gehandelt. Geschieht daher ein abrupter Abverkauf von Altcoins innerhalb kurzer Zeit, steigt das Angebot unverhältnismäßig stark an, was einen Kurseinbruch zur Folge hat.

Die Qualität der Altcoins ist hier zweitrangig. Das Handelsvolumen ist viel entscheidender dafür, wie stark ein Kurs auf eine Nachricht reagiert. Als Faustregel gilt: Je geringer das Handelsvolumen, desto stärker die Fluktuation.

3. Sektorenabhängigkeit

Ähnlich wie im traditionellen Aktienmarkt, reagieren die Kurse auch im Kryptomarkt simultan auf Nachrichten, die speziell ihren Sektor betreffen. Nachdem z.B. die US-Regierung unlängst Importzölle auf Aluminium und Stahl aus westlichen Ländern verhangen hat, brach der Dow Jones-Index direkt um einige Punkte ein – besonders betroffen waren dabei Unternehmen, die traditionell Aluminium und Stahl aus westlichen Ländern importieren.

Ähnlich ist es folglich auch mit Nachrichten, welche den Kryptomarkt als ganzen betreffen. Als unlängst die südkoreanische Börse Coinrail einem Hackerangriff zum Opfer fiel, reagierten alle etablierten Coins und Tokens darauf mit einem massiven Kurseinbruch, obwohl nicht der Bitcoin alleine, sondern auch Altcoins (Pundi X im Speziellen) direkt betroffen waren.

Schmelzende Bitcoin-Dominanz

Der Altcoin-Markt bewegt sich allerdings nicht immer simultan zum Bitcoin-Kurs. Im Januar dieses Jahres etwa sind die Altcoin-Preise stark angestiegen, während der Bitcoin in Relation dazu an Wert verlor. Der Grund hierfür lag vor allem darin, dass Altcoins massiv beworben wurden, wodurch Neueinsteigern der Irrglaube eingeredet wurde, sie hätten nun ebenfalls die Chance ähnliche Gewinne zu erzielen wie Bitcoin-Pioniere. Die Rechnung kam prompt: Die Altcoins erlitten kurz darauf einen massiven Wertverlust. Viele sind um mehr als 90% ihres Spitzenwerts von Anfang Januar eingesackt.

Trotz aller Unkenrufe seitens Altcoin-Befürwortern ist eine langfristig schwindende Bitcoin-Dominanz zur Zeit nicht abzusehen. Der Glaube an Bitcoin als die langfristige Leitwährung ist bei dessen Befürwortern ungebrochen.

Denkbar wäre allerdings, dass künftig zunehmend mehr Nutzer Stable Coins wie Tether (USDT) anstelle von Bitcoin als Reservewährung nutzen könnten. Eine Entwicklung die zu bedauern wäre. Denn USDT ist nichts weiter als eine „fiatisierte“ Kryptowährung. Hinter jedem Tether steht – zumindest laut Whitepaper – ein Dollar. Doch selbst ob Tether ist, was es verspricht, ist ungewiss. Die New York Times berichtete unlängst, dass eine Gruppe texanischer Forscher Tether untersucht hätten und dabei zweifelhafte Transaktionen ans Tageslicht gerieten, welche darauf hinweisen, dass Tether in mehreren Fällen zur Marktmanipulation genutzt wurde.

Durch gute oder schlechte Nachrichten werden eine Kaskade von Reaktionen im Markt ausgelöst, welche die Preise beinahe aller Kryptowährungen steigen oder fallen lassen. Das liegt vor allem daran, dass während im traditionellen Aktienmarkt der Dollar als Leitwährung dient, im Kryptomarkt der Bitcoin zugleich Produkt, als auch Leitwährung ist.

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